"KUNST SCHAFFEN IM SCHAUFENSTER" - WR ARTIKEL VOM 29.06.09 VON NADINE ALBACH

Studierende in der Adlerstraße

Kunst schaffen im Schaufenster

29.06.2009, Nadine Albach.

Sie wollen: Kunst machen. Aber nicht zurückgezogen, still und heimlich. Sondern da, wo sie jeder sehen kann: In einem früheren Friseursalon an der Adlerstraße 66 haben acht Studierende der TU eine Stätte zum Schaffen und Schauen eingerichtet. Das „Salon Atelier” verbindet kreative Poesie und Kommerz banner('rectangle','300x250');

„Wir wollten autonom von der Uni sein. Wir sind im Begriff, eigene Schritte zu gehen”, sagt Frederic Roos. Einer unter Achten vom Institut für Kunst und materielle Kultur, die in der Gemeinschaft Kunst produzieren, durch die Schaufenster sichtbar. Das erste Experiment dieser Art in der Stadt.

Roos sitzt auf einem klapprigen Stuhl vor einem Tisch, der mit Kaffeetassen, Flyern, Zucker zugedeckt ist; der Blick fällt je nach Richtung auf ein Schwein mit Rollschuhen, halb zu Ende gemalten Meerschweinchen oder Häuserwände. Auf dem Boden reihen sich Farbflaschen, Pinsel, Wassergläser aneinander; bunte, expressive Flecken machen ihn selbst fast zu einem Kunstwerk. „Ausstellungen sind immer so steril. Kunst zu machen, ist mit Arbeit, Dreck und Materialität verbunden”, sagt Ilona Kohut. Das können Neugierige aus nächster Nähe miterleben: Die Studierenden wollen öffentlich sein, wünschen sich, dass die Menschen zu ihnen hereinkommen, sie ausfragen, auch kaufen. Öffnungszeiten gibt es nicht - Kreativität passt in kein Zeitraster.

Aber sie braucht den Austausch: „Wir suchen die Erfahrung in der Gemeinschaft, wollen Leidenschaft teilen und uns alle gegenseitig anspornen”, sagt Roos. Bewusst Dortmund, bewusst die Nähe zum „U” und 2010 haben sich die Acht ausgesucht, um die Kunstszene voranzutreiben. „Dortmund hat das Potential dazu”, sagt Anne Bekker.

Keine Hausfrauendekoration

Können contra „Hausfrauendekorationsgalerien”: Die Studierenden sind fast alle Preisträger, sie vertreten klare Kunstrichtungen, sehen sich nicht als Konkurrenz. Ihre Werke feilzubieten, bereitet ihnen keine Bauchschmerzen: „Jeder Anfang ist schwer. Und wir packen unsere Vermarktung eben selbst an”, sagt Katja Tönnissen.

Was nicht bedeutet, dass ihnen das leicht fällt: „Wir zahlen das hier komplett aus der eigenen Tasche”, erklärt Frederic Roos. Heißt: Uni, Nebenjob, Malen abends und nachts. Fulltime gefordert. Deswegen wünschen sie sich Unterstützung, privat oder von der Stadt, die sie mit einer kleinen Jahresedition belohnen wollen. Die dürfte vielseitig werden. Mit kleinen, skurrilen Geschichten, die Ilona Kohut in Grafiken und Skulpturen humorvoll unterbringt. Natur- und Tierwelten, die Anne Bekker mit künstlichen Szenarien zu eigenen Welten collagiert.Charakterisierenden Strukturbildern mit riesigen Mündern, Augen, Nasen von Katja Tönnissen. Oder Frederic Ross' vielschichtigen, der Pop- und Comicsprache entsprungenen Riesen. Gegenseitige Befruchtung gelungen. in mit Rollschuhen

- Die acht Studierenden, die das Salon Atelier im Frühjahr gegründet haben, gehören Anne Bekker, Stefan Gutsche, Astrid Kämmerling, Ilona Kohut, Alischa Diana Leutner, Frederic Roos, Katja Tönnissen und Nathalie Roeder.

- Die Altersspanne liegt zwischen 24 und 30 Jahren.

- Zwei Mal im Jahr wollen sie ihre Werke auch in Ausstellungen in der Adlerstraße 66 präsentieren: Die nächste ist für den Zeitraum vom 22. bis 29. Oktober geplant.

- Ansonsten gilt vorbeischauen und reingehen. Oder Termine vereinbaren.